Ihre Position: Geschichte : Die Seeheimer ab 2004

Die Seeheimer am Anfang des 21. Jahrhunderts

Johannes Kahrs, Reinhold Robbe, Petra Ernstberger und Klaas Hübner bei der Staffelübergabe 2004

Auch bei den Seeheimern gab es während der rot-grünen Regierungsperiode Veränderungen. Über die Jahre hinweg standen renommierte Politikerinnen und Politiker an der organisatorischen Spitze des Seeheimer Kreises, der seit 1994 unter dem Namen „Die SEEHEIMER e.V.“ auch als eingetragener Verein, mit dem Ziel politische Bildungsarbeit zu leisten, registriert ist. Im März 2004 fand der letzte Wechsel im Sprecherkreis statt. Karl-Hermann Haack und Reinhold Robbe gaben den „Staffelstab“ weiter an Petra Ernstberger, Klaas Hübner und Johannes Kahrs. Petra Ernstberger, Klaas Hübner und Johannes Kahrs umrissen bei ihrem Amtsantritt jeweils, wofür der Seeheimer Kreis steht und in welchem Selbstverständnis die drei neuen Sprecher die Arbeit fortsetzen möchten:

„Ziel meines künftigen Engagements als Sprecherin ist es in erster
Linie, das Gewicht der Seeheimer als pragmatische Kraft in der SPD-Fraktion
weiter zu stärken. Eine Steigerung der Attraktivität für Abgeordnete, unsere inhaltlichen Ziele mitzugestalten, zählt dazu ebenso wie die Schärfung des Profils der Seeheimer in der Öffentlichkeit. Bei inhaltlichen und organisatorischen Entscheidungen werden die Seeheimer mit Nachdruck eine bedeutende Rolle übernehmen, um notwendige Reformen entsprechend voranzubringen.“
(Petra Ernstberger)


„Die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft", dieses politische Leitmotiv habe ich von Helmut Schmidt übernommen. Leidenschaftlich für die Modernisierung unserer Gesellschaft einzutreten und diese Modernisierung in praktischen Schritten umzusetzen, ist mein Ziel im und für den Seeheimer Kreis. Nicht alles, was sich in der Vergangenheit bewährt hat, kann angesichts forschreitender Globalisierung und sich zunehmend öffnender Märkte aufrechterhalten werden. Wir müssen neue und innovative Wege gehen, um vor allem die Chancen in diesen Entwicklungen zu erkennen und zu nutzen.
Ich werde mich daher dafür engagieren, dass der mit der Agenda 2010 eingeleitete Modernisierungsprozess auch vollendet wird.“                         (Klaas Hübner)


„Ich bin 1982 wegen Helmut Schmidts Politik in die SPD eingetreten. Nachdem ich 1998 in den Bundestag eingezogen war, bekam ich schnell Kontakt zu den Seeheimern und habe mich inhaltlich und menschlich in diesem Kreis sofort gut aufgehoben gefühlt – und tue dies heute mehr denn je. Mein Motto lautet: ‚Politik ist die Kunst, das Notwendige möglich zu machen.’ Reform- und Gestaltungswille sowie der gleichzeitige Einsatz für die Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und den Sozialstaat beschreiben die Vorstellungen des Seeheimer Kreises. Die Seeheimer stehen für eine undogmatische Debatte. Die Seeheimer verfolgen eine Politik, die erneuert und gleichzeitig sozialdemokratische Werte bewahrt. Wir halten nichts von weltfremden Ideologien. Für uns steht die Umsetzbarkeit der anstehenden Neuerungen im Hinblick auf die derzeitigen gesellschaftlichen Herausforderungen unseres Landes im Mittelpunkt. Nur so bewegt sich Deutschland. ‚Es muss sich vieles verändern, damit alles so bleiben kann, wie es ist.’“
(Johannes Kahrs)


Inhaltlich haben sich die Ziele der Seeheimer den sich stetig verändernden Gegebenheiten der Zeit angepasst. Längst steht nicht mehr wie zu Beginn der 70er Jahre die Abgrenzung gegenüber einer neomarxistischen Linken innerhalb der SPD im Vordergrund. Dennoch gelten bis heute entscheidende Positionen der Anfangszeit: Das Festhalten am Godesberger Programm als Grundlage des politischen Handelns und die konsequente Unterstützung der Bundesregierung durch pragmatische, an den finanziellen Möglichkeiten des Sozialstaates orientierte sozialdemokratische Politik. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht Deutschland vor neuen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt: Globalisierung, eine noch immer zu hohe Arbeitslosigkeit und die Überalterung der Gesellschaft. Der Sozialstaat muss auf diese Entwicklungen reagieren. Mit dem Eckpunktepapier aus dem Jahr 2003 befürworteten die Seeheimer ausdrücklich die Reformvorschläge der Agenda 2010 und den Leitantrag des Parteivorstands „Mut zur Veränderung“. Seitdem haben wir zahlreiche Reformen umgesetzt. Bereits nach wenigen Jahren waren die positiven Effekte spürbar. Dies kann aber nicht bedeuten, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Wir werden auch zukünftig dem Einsatz für Generationengerechtigkeit und dem ursozialdemokratischen Versprechen „Aufstieg durch Bildung“ höchste Priorität einräumen. Im Bereich der Wirtschaft muss etwa die Entbürokratisierung weiter vorangetrieben werden. Eine wichtige Maßnahme wäre die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaften in den Kammern.
Ziel unseres Handelns muss ein innovatives, wachstumsstarkes und sozial gerechtes Deutschland sein, in dem jede Bürgerin und jeder Bürger die gleichen Lebenschancen hat. Dafür werden sich die Seeheimer auch in Zukunft einsetzen.