Ihre Position: Geschichte : Gründung der Kurt-Schumacher-Gesellschaft

Gründung der Kurt-Schumacher-Gesellschaft

Kurt Schumacher und Annemarie Renger im Jahre 1952 (A. Scholz/AdsD)

Nachdem die SPD nicht mehr in der Regierungsverantwortung war, sank der
Einfluss des Seeheimer Kreises innerhalb der Partei. Es war nun nicht mehr
notwendig, für Entscheidungen der Regierung die entsprechenden innerparteilichen Mehrheiten zu organisieren. Peter Streichan charakterisierte die Situation in einem Interview folgendermaßen:„Man hatte alles getan, um in der Regierungsverantwortung vor dem Bürger gut zu bestehen, so dass es nun
einen natürlichen Prozess des Nachlassens gab […]“

Nach der sicherheitspolitischen Wende auf dem Parteitag in Köln 1983 wurde in den nun tonangebenden Kreisen innerhalb der SPD nicht mehr mit aller Entschlossenheit am westlichen Bündnis und der Mitgliedschaft in der NATO festgehalten. Man kritisierte einseitig die USA und verdrängte demokratische Freiheitsgrundsätze. Ebenso bröckelte massiv die Abgrenzungspolitik zu den kommunistischen Gruppen und Organisationen in Deutschland. Horst Ehmke beklagte in einer Rede anlässlich des 40. Jahrestags der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Februar 1988 den Antikommunismus in der Nachkriegs-SPD, der unter dem Einfluss der Alliierten die Entnazifizierung ersetzt hätte. Diesem Trend versuchten einige Seeheimer mit der Gründung der „Kurt-Schumacher-Gesellschaft“ entgegen zu wirken. Am 27. Mai 1985 wurde unter Vorsitz von Annemarie Renger, die in der Nachkriegszeit eine der engsten Mitarbeiterinnen Kurt Schumachers war, eine Gesellschaft gegründet. Deren Ziel war es, politisch die Erinnerung an die freiheitliche, antikommunistische Ausrichtung der Partei durch Kurt Schumacher wach zu halten.

 

Grundüberzeugungen

Hermann Rappe fasste in einem Schlusswort auf der ersten Tagung, die
anlässlich des Gedenkens an den 90. Geburtstag von Kurt Schumacher einberufen worden war, die Grundüberzeugungen der Mitglieder zusammen:

„1. Wir sind der Republik und in der parlamentarischen Demokratie verhaftet. Wir wollen eine Partei mit der Grundorientierung westlicher Politik, integriert ins Westliche Bündnis; wir sind – wie Schumacher sagte – eine Partei des Westens.
2. Wir sind eine Partei der klaren Abgrenzung zu den Kommunisten.
3. Wir wollen eine Partei der Arbeit sein und uns offenhalten für den
technologischen Fortschritt.
4. Wir sind eine Partei der Freiheit.
5. Und wir sind die Partei der sozialen Sicherheit auf der Basis unserer
Verfassung eines sozialen Rechtsstaates.“

Die Kurt-Schumacher-Gesellschaft hat es sich in den vergangenen 20 Jahren zur Aufgabe gemacht, Vorträge und Seminare zu veranstalten sowie Broschüren zur Entwicklung der SPD herauszugeben. Konzentrierte man sich in den 80er Jahren vor allem auf die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus, so stand in den 90ern die Frage der inneren Vereinigung mit den Sozialdemokraten aus dem Osten im Mittelpunkt. Die nach der Wende in Leipzig gegründete Kurt- Schumacher-Gesellschaft der DDR hat sich bald mit der westdeutschen Schwester-Gesellschaft vereinigt. Bereits vor der Wende 1989 hat die Gesellschaft eng mit dem Arbeitskreis sozialdemokratischer Häftlinge zusammengearbeitet und konnte zahlreiche Oppositionelle aus der DDR auf den Tagungen begrüßen. Die ehemalige Bundestagspräsidentin Annemarie Renger war noch bis zu ihrem Tod Vorsitzende der Kurt-Schumacher-Gesellschaft. Ihr zur Seite stand Johannes Kahrs - einer der aktuellen Sprecher des Seeheimer Kreises - als stellvertretender Vorsitzender.