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Die Anfänge der Seeheimer: Metzger-Kreis, Linke Mitte, Fritz-Erler-Kreis, Vogel-Kreis und Lahnsteiner Kreis

Hans-Jochen Vogel (li.) und Peter Corterier im Jahre 1969 (H.J. Darchinger/AdsD)

Für die Vertreter des „Godesberger Flügels“ innerhalb der SPD gab es in den 70er Jahren diverse Bezeichnungen, abhängig zum einen vom Betrachtungszeitraum, zum anderen davon, ob man von der Partei- bzw. Fraktionsebene sprach. Zu den bekanntesten Bezeichnungen für die Vorläufer des Seeheimer Kreises gehören „Metzger-Kreis“, „Linke Mitte“, „Fritz-Erler-Kreis“, „Vogel-Kreis“ oder auch „Lahnsteiner Kreis“.

Konfrontation mit der 68er-Generation
Der Zusammenhalt der ersten Seeheimer gründete vor allem auf der Konfrontation mit der 68er-Generation. Für viele Initiatoren des Seeheimer Kreises war eine persönliche Auseinandersetzung mit der Offensive der neomarxistischen Bewegung das Schlüsselerlebnis. So für Hans-Jochen Vogel in München, Günther Metzger in Hessen-Süd sowie Peter Corterier und Ernst Eichengrün als Führungsspitze der Jusos vor dem Linksrutsch 1969. Jürgen Maruhn und Ernst Eichengrün hatten bereits 1960 eigens den Studentischen Hochschulbund (SHB) gegründet um sich vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) abzusetzen. Dass sich der SHB allerdings wenige Jahre später zunehmend radikalisierte, konnten sie nicht verhindern.

Angepasste Seeheimer?
Aus den Reihen der Studentenbewegung und der Jugendorganisationen kam oft der Vorwurf, die Seeheimer seien angepasst. Peter Corterier, einer der Mitbegründer des Seeheimer Kreises, äußerte sich dazu bereits 1970:

„Der Vorwurf der Anpassung ist innerparteilich sehr populär, wie ja überhaupt das Phänomen des innerparteilichen Opportunismus nach links heutzutage weitgehend tabuiert ist und auch von der Öffentlichkeit unbeachtet bleibt. Hier  wird mancher als erleuchteter Märtyrer gefeiert, der in Wirklichkeit nur klug taktiert.“